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Montage- und Prüflinien: Dokumentation von Typ-C-Sekuranten

Horizontale Seilsysteme nach DIN EN 795 Typ C — in der Praxis auch als Sekuranten, Laufsicherungen oder Montagelinien bekannt — stellen besondere Anforderungen an Dokumentation und Prüfung. Diese Seite erklärt die Unterschiede, die Dokumentationspflicht und die Prüfzyklen.

Was sind Montage- und Prüflinien?

Der Begriff "Montage- und Prüflinie" beschreibt im Dachdeckerhandwerk ein dauerhaft installiertes horizontales Seilsystem, das bei Montage- und Wartungsarbeiten auf dem Dach als Absturzsicherung genutzt wird. Normrechtlich fällt es unter DIN EN 795 Typ C — "horizontale flexible Anschlageinrichtungen".

Ein solches System besteht typischerweise aus:

  • Endverankerungen (Typ-A-Anschlagpunkte an den Enden des Strangs)
  • Zwischenstützen (bei längeren Strängen, um Durchhang zu begrenzen)
  • Stahlseil oder Kunststoffseil (je nach Hersteller und Einsatzbereich)
  • Energieabsorber (fängt den Fangstoß bei einem Sturz ab, schützt Verankerungen und Person)
  • Läufer (gleitet am Seil entlang, wird mit der PSA des Nutzers verbunden)

Unterschied: Montagelinie, Prüflinie und horizontale Laufsicherung

In der Praxis werden verschiedene Begriffe für ähnliche Konzepte verwendet — die Norm kennt nur "horizontale flexible Anschlageinrichtung (Typ C)":

BegriffNormbezeichnungTypischer Einsatz
SekurantDIN EN 795 Typ CFlachdach, entlang Dachkante oder Lichtkuppeln
MontagelinieDIN EN 795 Typ CIndustriedach, entlang von Wartungspfaden
Horizontale LaufsicherungDIN EN 795 Typ CSchräg- und Satteldach, entlang First
FührungsschieneDIN EN 795 Typ DHallenkran, starre Schiene statt Seil

Für die Prüf- und Dokumentationspflicht ist entscheidend, ob das System dauerhaft verbaut ist — dann gilt BetrSichV mit jährlicher Prüfpflicht.

Typ C nach DIN EN 795: Einsatzbereich und Grenzen

DIN EN 795 Typ C regelt horizontale flexible Anschlageinrichtungen. Wichtige Anforderungen:

  • Das System muss mindestens 1 Person gleichzeitig absichern können; bei Systemen für mehrere Personen ist die maximale Personenzahl auf einem Strang vom Hersteller angegeben (Ankerlasten steigen mit Personenzahl)
  • Der Energieabsorber ist bei Typ-C-Systemen Pflicht — er begrenzt die Fangstoßkraft auf max. 6 kN
  • Die Stranglaenge bestimmt den maximalen Durchhang und beeinflusst den freien Sturzraum — muss bei der Montage und bei der Prüfung berücksichtigt werden
  • Typ C ist nicht geeignet als Haltesystem (Positionierungssystem) — nur als Auffangsystem

Dokumentationspflicht für Sekuranten (Inbetriebnahme, Jahresprüfung, Austausch)

Für Typ-C-Systeme gilt eine dreistufige Dokumentationspflicht:

Dokumentationsstufen

  1. 1. Montageprotokoll (Erstdokumentation): Hersteller, Typ, Seriennummer, Einbauort (Lageplan), verwendete Verankerungen, Untergrundnachweis (Tragfähigkeit), Seilspannung bei Montage, Erstprüfung durch befähigte Person, Datum der ersten Inbetriebnahme.
  2. 2. Wiederkehrendes Prüfprotokoll (jährlich): Alle Pflichtinhalte nach DGUV 201-056: Datum, prüfende Person, Prüfumfang (Seil, Verankerungen, Absorber, Läufer), Ergebnis, Datum nächste Prüfung.
  3. 3. Austauschprotokoll (bei Verschleiß/Auslösung): Bei Austausch von Seil, Absorber oder Einzelkomponenten: Datum, Grund, ausgetauschte Teile (inkl. neue Seriennummern), Nachprüfung vor Wiederinbetriebnahme.

Alle Dokumente bilden zusammen die Betriebsakte des Seilsystems und müssen für die gesamte Betriebsdauer aufbewahrt werden.

Beispiel-Anordnung auf einem Flachdach

Auf einem typischen gewerblichen Flachdach mit mehreren Lichtkuppeln und einem zentralen Wartungspfad kann eine Typ-C-Anordnung so aussehen:

  • Strang 1: Längs-Sekurant entlang der Dachkante Nord (30 m, 2 Zwischenstützen, 1 Energieabsorber)
  • Strang 2: Quer-Sekurant zu den Lichtkuppeln (15 m, keine Zwischenstütze, 1 Energieabsorber)
  • Strang 3: Dachkante Süd (25 m, 2 Zwischenstützen, 1 Energieabsorber)

Jeder Strang wird im Prüfprotokoll als separate Einheit erfasst, mit Lageplan und Strangbezeichnung. Fotos der Endverankerungen, Zwischenstützen und des Seilverlaufs ergänzen die Dokumentation.

Praxistipp: Vergeben Sie jedem Strang eine eindeutige Bezeichnung (z. B. "S1-Nord", "S2-Ost") und markieren Sie die Endverankerungen entsprechend mit Gravurschild oder Klebeband. Das erleichtert die jährliche Prüfung erheblich.

Prüfzyklen bei horizontalen Seilsystemen (Seilspannung, Verankerung, Energieabsorber)

Die Jahresprüfung eines Typ-C-Systems ist aufwändiger als die eines Einzelpunkts. Folgende Prüfschritte sind spezifisch für Seilsysteme:

  • Seilzustand: Auf Litzenschäden, Knicke, Quetschungen, Korrosion prüfen. Bei Stahlseil: mind. 10 % Litzenschäden pro Abschnitt gelten als Austauschkriterium nach EN 12385.
  • Seilspannung: Durchhang messen und mit Hersteller-Vorgabe vergleichen. Zu viel Durchhang vergrößert den freien Sturzraum und kann zur Nichtkonformität führen.
  • Verankerungen: Alle End- und Zwischenstützen auf Korrosion, Lockerung und Untergrundschäden prüfen. Bei Verdacht auf Tragkraftreduktion des Untergrunds: Sachverständigen hinzuziehen.
  • Energieabsorber: Visuell auf Auslösung prüfen (Auslösungsindikator oder Beschriftung des Herstellers beachten). Bei Auslösung: sofortige Sperrung und Austausch vor Wiederinbetriebnahme.
  • Läufer: Leichtgängigkeit prüfen, auf Risse, Verformungen und Korrosion sichten, Passieren der Zwischenstützen testen.

→ Pflichtinhalte des Prüfprotokolls für Typ-C-Systeme

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Montagelinie und Prüflinie?

Eine Montagelinie (auch: Laufsicherung oder Sekurant) ist ein dauerhaft installiertes horizontales Seilsystem nach DIN EN 795 Typ C, an dem sich Personen bei der Arbeit auf dem Dach absichern. Eine Prüflinie ist kein eigenstandiger Begriff der Norm — in der Praxis bezeichnet er die Sektion eines Seilsystems, die bei der Jahresprüfung als Einheit bewertet wird (Verankerung-Seil-Verankerung inkl. Energieabsorber).

Wie oft müssen Sekuranten (Typ C) geprüft werden?

Mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person nach TRBS 1203, plus Erstprüfung vor der ersten Inbetriebnahme. Nach jedem außergewöhnlichen Ereignis (z. B. Sturz mit Fangstoß, starker Schneelast, Beschädigung durch Arbeiten) ist eine außerordentliche Prüfung erforderlich. Bei Typ-C-Systemen mit Energieabsorber: nach Auslösung des Absorbers muss dieser ausgetauscht und das System neu geprüft werden.

Was umfasst die Prüfung eines horizontalen Seilsystems?

Die Prüfung eines Typ-C-Systems umfasst: Sichtprüfung aller Verankerungspunkte (Korrosion, Lockerung, Untergrundschäden), Prüfung des Seils (Verschleiß, Knicke, Korrosion), Kontrolle der Energieabsorber auf Auslösung, Prüfung der Seilspannung und Durchhang, Funktionsprüfung des Läufers (Eingehen, Passieren von Zwischenstützen), Prüfung der Verbindungselemente und Endabfangungen sowie Dokumentation im Prüfprotokoll.

Braucht jeder Abschnitt eines Seilsystems ein eigenes Protokoll?

In der Praxis wird das gesamte Seilsystem eines Dachs in einem Prüfprotokoll dokumentiert. Längere Systeme mit mehreren Strängen oder Verankerungsreihen werden abschnittsweise erfasst, je Strang mit Strangbezeichnung und Lagedokumentation (Lageplan oder Foto-Dokumentation). Das Protokoll muss jeden Strang eindeutig identifizieren und separat bewerten.

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