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DIN EN 795: Anschlageinrichtungen für PSA gegen Absturz

Kompakter Leitfaden 2025: Typen, Dokumentation (MBO § 16a, DGUV Information 201-056), Prüfintervalle & Montageprotokoll für Dachdecker & Metallbauer

••Lesezeit: ca. 7 Min.

Was ist DIN EN 795? Definition & Geltungsbereich

DIN EN 795 ist die europäische Norm, die Anforderungen an Anschlageinrichtungen für Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) gegen Absturz definiert. Sie gilt für alle fest installierten oder mobilen Systeme, an denen sich Personen bei Arbeiten in der Höhe sichern können. Dauerhaft mit dem Bauwerk verbundene Anschlageinrichtungen der Typen A, C und D gelten seit dem Durchführungsbeschluss (EU) 2015/2181 nicht als PSA, sondern als Bauprodukte; die Typen B und E bleiben PSA (DGUV Information 201-056).

Die Norm wurde erstmals 1996 veröffentlicht und 2012 grundlegend überarbeitet (DIN EN 795:2012). Sie ist europaweit gültig und in Deutschland durch ergänzende DGUV-Schriften (z.B. DGUV Information 201-056) konkretisiert.

Wichtig für Dachdecker & Metallbauer:

Für montierte Anschlageinrichtungen ist eine Übereinstimmungsbestätigung Pflicht (§ 16a Abs. 5 MBO); eine Einbaudokumentation empfiehlt DGUV Information 201-056 dringend. Ohne normgerechtes Montageprotokoll drohen bei Unfällen persönliche Haftungsrisiken.

DIN EN 795 Typen im Überblick

Die Norm unterscheidet 5 Typen von Anschlageinrichtungen, je nach Bauart und Einsatzzweck:

KriteriumTyp A
Einzelanschlag
Typ B
Mobil
Typ C
Seilsystem
Typ D
Schiene
Typ E
Eigengewicht/Ballast
BeschreibungFeste EinzelpunkteMobile SystemeHorizontales StahlseilStarre SchieneDurch Eigengewicht gehalten (ballastiert)
PersonenanzahlNach Herstellerangabe; mehrere Personen nur nach DIN CEN/TS 16415Nach Herstellerangabe; mehrere Personen nur nach DIN CEN/TS 16415Mehrere möglich (nach Herstellerangabe, DIN CEN/TS 16415)Mehrere möglich (nach Herstellerangabe, DIN CEN/TS 16415)Nach Herstellerangabe; mehrere Personen nur nach DIN CEN/TS 16415
InstallationDauerhaft oder nicht dauerhaft befestigt (DGUV Regel 112-198, Abb. 65/68)Temporär aufgestelltZwischen Festpunkten gespanntDauerhaft oder nicht dauerhaft befestigt (DGUV Regel 112-198, Abb. 65/68)Aufgelegt, ohne Durchdringung (Neigung max. 5°)
BewegungsfreiheitEingeschränkt (Radius)Sehr eingeschränktHoch (entlang Seil)Sehr hoch (entlang Schiene)Auf Fläche begrenzt
Typische EinsatzorteDächer, WartungsplätzeSchächte, wechselnde OrteLange Dachflächen, FirstlinienIndustriehallen, regelmäßige BegehungFlachdächer ohne Durchdringung der Dachhaut
InstallationsaufwandGering (pro Punkt 15-30 Min.)Gering (Auf-/Abbau)Hoch (Statik, Vorspannung)Sehr hoch (Konstruktion)Mittel
WartungsaufwandSehr geringMittel (nach jedem Einsatz)Hoch (Seilkontrolle, Spannung)Mittel (Läufer, Verschleiß)Gering
Kosten pro System50-150 € (Material)
+ Montage
800-2.500 €2.000-8.000 € (je nach Länge)3.000-12.000 € (je nach Länge)Herstellerabhängig (je Stück)
VorteileGünstig, einfach, robustFlexibel, keine BaumaßnahmenGroße Bewegungsfreiheit, mehrere PersonenKomfortabel, dauerhaft, mehrere PersonenKeine Durchdringung der Dachhaut
NachteileBegrenzte Bewegung, Personenzahl nach HerstellerangabeAuf-/Abbau, TransportKomplexe Planung, DurchhangHohe Kosten, aufwändige MontageNur Flächen bis 5° Neigung; Reibung und Frost beachten
DokumentationMontageprotokoll, Prüfung jährlichSichtprüfung vor Einsatz, Sachkundigenprüfung alle 12 Monate (PSA)Montage + Statik, Prüfung jährlichMontage + Statik, Prüfung jährlichMontageprotokoll, Prüfung jährlich

Entscheidungshilfe: Welcher Typ ist der richtige?

  • Typ A – Wenn punktuelle Arbeiten an wechselnden Stellen durchgeführt werden (z.B. Wartung einzelner Dachelemente)
  • Typ B – Wenn keine permanente Installation möglich ist oder Anschlagpunkt an wechselnden Orten benötigt wird
  • Typ C – Wenn mehrere Personen entlang einer Linie arbeiten (z.B. Photovoltaik-Wartung, Dachrinnenreinigung)
  • Typ D – Wenn regelmäßige Begehung mit hohem Komfort erforderlich ist (z.B. Industriehallen mit Wartungsbedarf)
  • Typ E – Wenn auf einem Flachdach (Neigung max. 5°) die Dachhaut nicht durchdrungen werden soll (ballastierte Anschlageinrichtung)

Typ A: Einzelanschlagpunkte (Festpunkte)

Einzelanschlagpunkte sind meist fest auf dem Dach verankerte Punkte, an denen sich eine Person sichern kann. Typische Beispiele:

  • Dachhaken, Dachösen (z.B. ABS-Lock X-Rivet, Lux-Top Anschlagpunkte)
  • Dachsparrenanker (z.B. Skylotec Roof Anchor)
  • Attikahaken für Flachdächer

Wichtig: Typ-A-Anschlagpunkte sind nach Herstellerangabe häufig nur für eine Person ausgelegt; mehrere Personen gleichzeitig nur, wenn der Hersteller das vorsieht (DIN CEN/TS 16415). Die Montage muss auf tragfähigem Untergrund (Holz, Stahl, Beton) erfolgen – dokumentiert im Montageprotokoll.

→ Mehr zu Typ A Einzelanschlagpunkten

Typ B: Mobile Anschlageinrichtungen

Mobile Anschlageinrichtungen sind transportable Systeme, die ohne Bohren/Schrauben temporär installiert werden. Beispiele:

  • Mobile Dreibein-Systeme (für Schachtarbeiten, Silos)
  • Trägerklemmen und Bandschlingen (DGUV Regel 112-198)

Ballastierte Systeme für Flachdächer (mobile Anschlagpunkte mit Gewichtsplatten) zählen nicht zu Typ B, sondern zu Typ E (siehe unten).

Typ B wird seltener im Dachdeckerhandwerk eingesetzt, eher bei temporären Arbeiten (Wartung, Schachtrettung).

Typ C: Horizontale Seilsysteme (Sekuranten)

Sekuranten (auch Lifelines genannt) sind horizontale Draht- oder Stahlseilsysteme, die zwischen zwei oder mehr Festpunkten gespannt werden. Sie erlauben Bewegungsfreiheit entlang des Seils.

Einsatz: Ideal für lange Dächer, wo mehrere Personen gleichzeitig arbeiten (z.B. Wartung von Photovoltaik-Anlagen, Dachrinnenreinigung).

Dokumentation: Bei Sekuranten muss die Seilvorspannung, Durchhang und Verankerungslast dokumentiert werden – oft ein Knackpunkt bei Prüfungen.

Typ D: Schienensysteme

Schienensysteme sind starre Führungsschienen (Aluminium, Stahl), an denen sich ein Läufer mit Auffanggurt entlangbewegt. Häufig auf Industriedächern mit regelmäßiger Begehung.

Typ E: Durch Eigengewicht gehaltene Anschlageinrichtungen

Typ E umfasst Anschlageinrichtungen, die durch ihr Eigengewicht gehalten werden — ballastierte Systeme für Flachdächer ohne Durchdringung der Dachhaut. Laut DGUV Regel 112-198 gelten Verwendungsbeschränkungen abhängig von der Neigung der Auflagefläche (maximal 5 Grad), der Oberflächenbeschaffenheit (ausreichende Reibung) und den Witterungsbedingungen (z. B. Frost). Fest installierte Anschlagpunkte auf Steildächern sind dagegen Typ A.

Dokumentation: Pflicht nach MBO § 16a, Empfehlung nach DGUV Information 201-056

Nach DGUV Information 201-056 („Schutzmaßnahmen gegen Absturz auf Dächern“, Ausgabe 2025, Abschn. 7.2.4) ist für montierte Anschlageinrichtungen die Übereinstimmungsbestätigung nach § 16a Abs. 5 MBO Pflicht; eine Einbaudokumentation mit Fotos wird dringend empfohlen: mindestens ein Übersichtsbild je Anschlageinrichtung, gleiche Produkte und wiederkehrende Montageschritte dürfen exemplarisch zusammengefasst werden (Vorlage in Anhang 6).

Was muss dokumentiert werden?

Das Montageprotokoll muss mindestens folgende Angaben enthalten:

  • Objekt-Identifikation: Adresse, Gebäude, Dachbereich
  • Installateur: Firma, Name des Monteurs, Datum
  • Produkt-Details: Hersteller, Typ, Artikelnummer, CE-Kennzeichnung
  • Befestigungsmaterial: Schrauben, Dübel, Untergrund (Holz, Beton, Stahl)
  • Fotos: Montagesituation, Verankerung, Zustand des Untergrunds
  • Dachplan: Lageskizze mit nummerierten Anschlagpunkten

Haftungsrisiko ohne Dokumentation:

Bei Unfällen ohne saubere Montage- & Prüfprotokolle drohen dem Betrieb und dem verantwortlichen Monteur persönliche Haftungsansprüche sowie Regressforderungen der Berufsgenossenschaft. Die Dokumentation ist Pflicht, nicht optional.

Wo muss die Dokumentation aufbewahrt werden?

Nach DGUV Information 201-056 muss der Montageplan für jeden Benutzenden zugänglich sein — am besten als Kopie am Dachzustieg (Abschn. 7.2.4). Bei der wiederkehrenden Prüfung durch Sachkundige sollte die Dokumentation vorliegen.

→ Mehr zur Anschlagpunkt-Dokumentationspflicht

DIN EN 795 Prüfung: Intervalle & Sachkundige Person

Anschlagpunkte müssen nach Installation regelmäßig geprüft werden, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Prüfintervall: Mindestens jährlich (12 Monate)

Nach DGUV Information 201-056 (Kap. 9) und DGUV Regel 112-198 (Abschn. 10.3.2 und 10.3.3) müssen Anschlagpunkte mindestens alle 12 Monate durch eine sachkundige Person geprüft werden. Die Prüfung umfasst:

  • Sichtprüfung: Korrosion, Risse, Beschädigungen
  • Funktionsprüfung: Festigkeit der Verankerung, Seilvorspannung (bei Sekuranten)
  • Dokumentation: Prüfprotokoll mit Befund, Fotos, Datum der nächsten Prüfung
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Qualifikation der Prüfperson (DGUV Grundsatz 312-906)

Die Prüfung darf nur durch sachkundige Personen erfolgen. Eine sachkundige Person verfügt über:

  • Fachkenntnisse zu PSA gegen Absturz (z.B. durch Schulung nach DGUV Grundsatz 312-906)
  • Praktische Erfahrung in Montage & Wartung von Anschlageinrichtungen
  • Kenntnis der einschlägigen Normen (DIN EN 795, DGUV 201-056)

Hinweis: Viele Dachdeckerbetriebe lassen die jährliche Prüfung durch externe Prüfservices durchführen, die auch das Prüfprotokoll erstellen.

→ Mehr zur jährlichen Prüfung von Anschlagpunkten

Haftungsrisiko bei fehlender Dokumentation

Die Dokumentation von Anschlagpunkten ist keine Kür, sondern Pflicht. Bei Unfällen ohne normgerechte Montage- und Prüfnachweise:

  • Persönliche Haftung des Monteurs / Geschäftsführers
  • Regressforderungen der Berufsgenossenschaft
  • Strafrechtliche Konsequenzen bei grober Fahrlässigkeit (§ 229 StGB Fahrlässige Körperverletzung)
  • Versicherungsschutz gefährdet: Betriebshaftpflicht kann Leistung verweigern

Studien zeigen: Etwa 30% der Anschlagpunkte sind fehlerhaft montiert (z.B. falscher Untergrund, ungeeignetes Befestigungsmaterial). Ohne Dokumentation ist im Nachhinein nicht nachvollziehbar, wer wann was montiert hat.

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Häufige Fragen zu DIN EN 795

Was ist DIN EN 795?

DIN EN 795 ist die europäische Norm für Anschlageinrichtungen zum Schutz gegen Absturz. Sie definiert Anforderungen an Anschlagpunkte, Seilsysteme und mobile Anschlageinrichtungen für PSA gegen Absturz.

Welche DIN EN 795 Typen gibt es?

Es gibt 5 Typen: Typ A (Einzelanschlagpunkte), Typ B (mobile Anschlageinrichtungen), Typ C (horizontale Seilsysteme/Sekuranten), Typ D (Schienensysteme) und Typ E (durch Eigengewicht gehaltene Anschlageinrichtungen für Flächen bis 5° Neigung).

Muss jeder Anschlagpunkt nach DIN EN 795 dokumentiert werden?

Ja. Pflicht ist die Übereinstimmungsbestätigung des Montagebetriebs (§ 16a Abs. 5 MBO); eine Montagedokumentation mit Fotos (mindestens ein Übersichtsbild je Anschlageinrichtung; gleiche Produkte und wiederkehrende Montageschritte dürfen exemplarisch zusammengefasst werden), Verankerungsdetails und Untergrund-Angaben empfiehlt DGUV Information 201-056 (Abschn. 7.2.4; Vorlage in Anhang 6) dringend.

Wie oft müssen Anschlagpunkte geprüft werden?

Anschlagpunkte sind mindestens alle 12 Monate durch eine sachkundige Person zu prüfen (DGUV Information 201-056, Kap. 9; DGUV Regel 112-198, Abschn. 10.3.2 und 10.3.3); die Qualifikation der Sachkundigen regelt DGUV Grundsatz 312-906. Das Prüfprotokoll ist Teil der Dokumentationspflicht.

Was passiert ohne Dokumentation bei einem Unfall?

Ohne normgerechte Montage- und Prüfnachweise drohen persönliche Haftungsrisiken für den Monteur/Betrieb sowie erhebliche Probleme mit der Berufsgenossenschaft. Die Dokumentation ist Pflicht, kein „nice to have".